
Blumen verwelken. Wertschätzung darf das nicht. Zum Muttertag 2026 erinnert der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) daran, dass echte Anerkennung für Mütter weit über symbolische Gesten hinausgehen muss. Solange Frauen und Mütter weiterhin den Großteil der Familien- und Care-Arbeit leisten – oft unsichtbar und selbstverständlich –, dürfe der Muttertag kein bloßes Ritual bleiben.
Ursprünglich geschaffen, um die gesellschaftliche Bedeutung von Müttern sichtbar zu machen, wird alljährlich am ersten Sonntag im Mai der Muttertag gefeiert. Er gibt Anlass, alle Facetten von Mutterschaft zu sehen: die gelebte, die ersehnte und die verlorene. In unserer Gesellschaft übernehmen noch immer vorwiegend Frauen Betreuung, Organisation und Fürsorge in den Familien. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit, um Betreuungslücken auszugleichen – mit Folgen für Einkommen, Karriere und Pensionen.
Sieglinde Aberham, selbst Mutter und in verschiedenen Funktionen erfahrene Familienvertreterin, steht den rund 15.000 Mitgliedsfamilien im katholischen Familienverband Südtirol (KFS) als Verbandspräsidentin vor. Ihr Statement zum Muttertag: „Für mich steht der Muttertag für Wertschätzung. Nicht oberflächlich, sondern für die Fürsorge, Organisation und emotionale Arbeit, die Mütter tagtäglich leisten. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass strukturelle Ungleichheiten bestehen bleiben. Der Muttertag ist ein Anlass, genauer hinzuschauen und auch unbequeme Fragen zu stellen.“ Wie weiblich Familien- und Beziehungsarbeit noch immer geprägt ist, zeigt sich auch innerhalb des KFS selbst: Rund 96,6 Prozent der Hauptamtlichen und der über 1.000 Ehrenamtlichen im Verband sind Frauen. 116 weibliche Zweigstellenleiterinnen engagieren sich landesweit für Familien und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die älteste ehrenamtliche Mitarbeiterin ist Jahrgang 1941, die jüngste Jahrgang 2008. „Diese Zahlen machen sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: Frauen tragen Familien, Gemeinschaft und Ehrenamt – häufig gleichzeitig“, betont KFS-Geschäftsleitung Samantha Endrizzi. „Dass gerade im Familienbereich so vieles auf den Schultern von Frauen lastet, darf nicht länger selbstverständlich sein.“ Der KFS nutzt diesen Tag, um die Lebensrealität von Müttern nachhaltig zu verbessern. Hierfür fordert er unter anderem eine bessere finanzielle Absicherung und gerechtere Verteilung von Familien- und Care-Arbeit, echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf ohne Nachteile für Mütter, mehr ganzjährige und leistbare Kinderbetreuungsangebote, d.h. verlässliche Nachmittagsbetreuung und Ferienprogramme, auch in ländlichen Regionen, bessere Absicherung von Teilzeitarbeit und steuerliche Entlastungen.
Der KFS erinnert außerdem daran, dass der Muttertag nicht nur ein Tag der Freude ist. Auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, Mütter von Sternenkindern oder Frauen, die ihre Mutter vermissen, erleben diesen Tag mit Sehnsucht und stiller Erinnerung. Der Muttertag darf deshalb kein bloßes Ritual bleiben. Er muss Anlass sein, Mutterschaft gesellschaftlich und politisch neu zu denken. Mit Empathie und Wertschätzung soll nicht nur dieser Tag ein Tag für Mütter, für Sehnsucht im Herzen und für stille Erinnerung an verlorene Kinder und auch an verlorene Mütter, sein.
Der Muttertag soll Anlass sein, Mutterschaft gesellschaftlich und politisch neu zu denken
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