Schwerpunkte und Ziele einer neuen Familienpolitik in Südtirol – ein Positionspapier

Der Katholische Familienverband Südtirol vertritt seit seiner Gründung im Jahr 1966 die Interessen der Südtiroler Familien in Politik und Öffentlichkeit. Mit Hilfe und Unterstützung der landesweit 114 Zweigstellen vertritt die Landesleitung des KFS seit Jahrzehnten aktiv, konstruktiv und kritisch die Anliegen des Verbandes gegenüber der Politik.

Am 17. Mai 2013 wurde das Familiengesetz in seiner geltenden Form verabschiedet. Dabei wurden einige der vom Katholischen Familienverband Südtirol vorgebrachten Forderungen wie etwa ein einheitliches Familiengeld, finanzielle Unterstützung für die Betreuung zu Hause und die Rentenabsicherung der Mütter in den Gesetzestext aufgenommen.
Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Familien in Südtirol bleibt weiterhin ein zentrales Anliegen des KFS. 
Dabei gilt das Augenmerk besonders folgenden Themen und Bereichen.

Die Südtiroler Wirtschaftsstruktur mit ihren kleinen und mittelgroßen Betrieben, welche zumeist familiär geführt sind, ist traditionell verwurzelt in ein generationenübergreifendes und sozial verantwortliches Denken. Dies ist eine Ressource, die vor allem in Zeiten der zunehmenden Globalisierung von unschätzbarem Wert ist. 

Die Familie ist das Herz der Gesellschaft. Sie ist der wichtigste Ursprung positiver Gefühls- und Erlebniswelten. Familie ist ein Garant für Stabilität, Frieden und soziales Denken, vor allem aber Freude und Erfüllung! Diese positive Grundeinstellung wollen wir nach außen tragen.

Es ist ein großer Wunsch der Eltern von Kleinkindern bis drei Jahren, echte Wahlfreiheit zwischen außerfamiliärer Betreuung und Betreuung zu Hause zu haben. Finanzieller Druck und die aktuelle Arbeitsmarktsituation ermöglichen immer seltener eine echte Wahl zwischen diesen Betreuungsformen.

Studien beweisen, dass es von immenser Wichtigkeit ist, die Stabilität der Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren zu garantieren. Die Kinderbetreuungseinrichtungen leiden oftmals unter starker Personalfluktuation. Ein Grund sind Ausschreibungen auf Dumpinglohnniveau und schlechte Bezahlung.

Durch die Auswirkungen der langjährigen Wirtschaftskrise und die zunehmenden finanziellen Belastungen für die Familien wird es immer zwingender, die Familien noch gezielter und besser finanziell zu fördern. Der Familienverband schlägt dazu zwei Fördermodelle vor.

Die Anerkennung der Erziehungs- und Pflegejahre wäre ein Ausdruck gesellschaftlicher Wertschätzung des persönlichen familiären Einsatzes von Abertausend Südtiroler Familien. Diese Anerkennung ist eine der vordringlichsten Forderungen junger Eltern.

Aufgrund der neu erhaltenen autonomen Steuerbefugnisse sieht der Familienverband den Zeitpunkt gekommen, damit gezielte steuerliche Erleichterungen für die Südtiroler Familien gewährleistet werden sollen und können.

Verschiedene derzeit bestehende gesetzliche Rahmenbedingungen bewirken, dass Eltern absichtlich keine Partnerschaft oder Ehe eingehen, als „AlleinerzieherInnen“ aufscheinen, nur um mehr Zuschüsse, Tariferleichterungen und andere Vorteile zu erzielen. Rechtliche und praktische Probleme sind die Folge.